Geschwister Buchberger - Innsbruck 1931 bis 1961

Gemeinsam mit Herrn Felix Körner ist es gelungen, eine komplette Diskografie der Buchberger-Aufnahmen zu erstellen. Außerdem hat Hr. Körner auch eine schöne Kurz-Biografie der Geschwister verfasst, die alles beinhalted, was wir von den Sängern wissen. Diese hänge ich hier - in voller Fassung und mit freundlicher Genehmigung an!*
"Bei vielen Freunden historischer Tonaufnahmen stehen Jazz- und flotte Unterhaltungsmusik hoch im Kurs, während Aufnahmen von Salonmusik, Charakterstücken und Volksmusik wenig Beachtung finden. Gerade im Bereich der Volksmusik ist das nachvollziehbar, da viele Stücke regional gebunden sind und die Qualität der Darbietung hörbar schlechter war als von professionellen Kapellen. Volksmusiksänger besaßen häufig keine musikalische Ausbildung und sangen rein zum Vergnügen, also ohne den Anspruch, von ihrer Musik leben zu müssen. Ohne Tondokumente wären viele Volksmusiksänger heute gänzlich vergessen. Ein herausragendes Volksmusiktrio der 30er Jahre waren die Geschwister Buchberger aus Innsbruck. Klangschönheit, Zusammenklang und Musizierfreude standen weit über dem üblichen Niveau. Wir können heute froh sein, dass die Geschwister Buchberger fast 70 Titel auf Schallplatten eingespielt haben. Ihre Darbietungen zählen musikalisch zum Besten, was an echter Volksmusik in den 1930er Jahren erhältlich war.
Trotz ihrer damaligen Bekanntheit ist das Trio heute nahezu vergessen. Die wenigen Fakten, welche heute noch bekannt sind sollen im Folgenden berichtet werden.
Die Familie Buchberger wohnte um 1900 in der Stadt Wörgl im Tiroler Unterland. Der Vater war Bäckermeister, die Mutter Hausfrau. Ihr Haus stand nahe dem Inn und hatte einen schönen Obstgarten. Käthe Buchberger berichtet von einer unbeschwerten Kindheit. Bei Hochwasser konnte es passieren, dass das Erdgeschoss des Hauses voll Wasser war. Die Kinder sind dann mit dem Waschtrog darin umhergefahren. Sie waren zu acht. Alle Kinder bekamen die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen. Käthe Buchberger begann daher im Alter von 8 Jahren Zither zu spielen. Zum späteren Trio „Geschwister Buchberger“ gehörten : Käthe Buchberger (Sopran und Zither) 11.02.1904, gest. 16.07.1998 Martin Buchberger (Tenor und Gitarre) 03.11.1907, gest. 10.04.1945 Anna Buchberger (später Kopp-Buchberger, Altstimme und Gitarre) 05.01.1911, gest. 02.11.1980.
Der Vater starb 1917 im ersten Weltkrieg. 1920 zog die Witwe mit ihren 8 Kindern nach Innsbruck in die Innstraße 55. Käthe Buchberger hat in diesem Haus bis zu ihrem Tod 1998 gelebt. Käthe Buchberger erzählt, dass ihre Mutter eine sehr schöne Stimme hatte und im Kirchenchor sang. Von ihr hätten sie Talent und Stimme geerbt. Alle Geschwister sangen zunächst abends zu ihrem eigenen Vergnügen Volkslieder bei offenen Fenstern. Passanten versammelten sich vor dem Innsbrucker Haus und hörten dem Gesang zu. Bei einem dieser Gesänge wurden sie sogar von einem Wachmann aufgefordert zu den Fenstern herauszusehen, damit die Passanten mehr von ihrem Konzert erleben könnten. Martin Buchberger gab den Anstoß öffentlich zu singen. Besonders gut harmoniert haben die Stimmen von Martin, Anna und Käthe und so schlossen sich diese drei zum Vokaltrio "Die Geschwister Buchberger" zusammen. Anna Buchberger spielte bei der Höttinger Heimatbühne Theater. Während der Theaterpausen machten sie ihre ersten, bereits sehr erfolgreichen öffentlichen Auftritte. Erste Gesangsauftritte außerhalb von Innsbruck hatten sie in Oberösterreich, da in Tirol kein Interesse bestand. Später waren sie allerorts gefragt und die Konzerte waren sehr gut besucht. Käthe Buchberger erinnert an ein Konzert in Bierstindl bei Innsbruck. Der Raum war so voll, dass sie über die Tische zur Bühne laufen mussten. Ihr vermutlich bedeutendstes Konzert hatten die Geschwister Buchberger im ausverkauften großen Saal des Wiener Konzerthauses. Mit der Wiltener Stadtkapelle fuhren sie zu Auftritten in die Schweiz. Konzerte konnten sie nur während ihres Urlaubs geben, da alle drei berufstätig waren. Käthe Buchberger fuhr 46 Jahre lang in die Stickerei von Wattens, ca. 20km östlich von Innsbruck. Sie arbeitete dort als Repasseurin, was bedeutet, dass sie die fertigen Stücke kontrollierte und gegebenenfalls noch kleine Ausbesserungen vornahm. Martin Buchberger arbeitete im Landhaus zu Innsbruck und Anna Buchberger war in einem Geschäft tätig. Martin Buchberger achtete während der Konzertreisen sehr auf Disziplin. So untersagte er den Schwestern nach dem Konzert Einladungen anzunehmen, damit sie auch am nächsten Tag vollständig ausgeruht waren. Wie Fotos zeigen war Martin Buchberger ein stattlicher Mann mit über 1,8 Meter Größe. Käthe berichtet, dass er sich bei einigen Türen bücken musste. Martin Buchberger war immer bodenständig geblieben. Als Eintrittspreis legte er maximal 80 Groschen fest, damit auch arme Leute die Möglichkeit hatten, das Konzert zu besuchen. Als Leitmotiv trugen die drei Geschwister an der Gitarre ein Sternenbanner mit der Aufschrift: „Ein Herz das singt ist Gott am nächsten.“. 1931 nahmen sie für Grammophon mit der Salonkapelle Anton Stedry ihre erste Schallplatte auf „Mein schönes Innsbruck am grünen Inn“. Bis 1932 wurden dann bei Grammophon insgesamt 22 Aufnahmen gemacht, die folgenden jedoch alle mit selbst gespielter Instrumentalbegleitung von Gitarre und Zither. Als Aufnahmeraum diente der Innsbrucker Stadtsaal. 1935 besangen sie 32 weitere Matrizen, diesmal für HMV und unterteilt in 2 Sitzungen. Die Platten erschienen in Österreich mit dem Label HMV, in Deutschland unter eigener Verkaufsnummer und teilweise anderen Seitenkopplungen bei Electrola. Im Sommer 1939 reiste das Trio für weitere Aufnahmen sogar nach Berlin und nahm dort 16 Titel auf. Diese Nominierung in das beste europäische Aufnahmestudio des HMV-Konzerns zeigt, dass sie sehr bekannt waren und am Höhepunkt ihres künstlerischen Wirkens angelangt. Zu diesem Zeitpunkt erschien auch das Liederbuch „Heimatlieder der Geschwister Buchberger“ im Musikverlag Stanberg / Wien. Die vermutlich letzte Schallplattenaufnahme machten sie im Oktober 1942, ebenfalls in Berlin. Während der Konzerte wurden auch Publikumswünsche erfüllt. Besonders häufig gefragt waren das "Innsbrucker Lied", das eigens für die Buchbergers geschrieben wurde, und das Echolied "Mei Glück is a Hütterl". Mit dem Einzug von Martin Buchberger als Soldat im 2. Weltkrieg endete das gemeinsame Musizieren. Martin Buchberger starb in den letzten Kriegstagen in einem Bombenhagel. Den Verlust von Martin Buchberger hat alle gleichermaßen schwer getroffen. Er hinterlies seine Frau und zwei kleine Mädchen. Käthe betrauerte den Tod ihres Bruders noch bis zu ihrem eigenen Lebensende, also über 50 Jahre danach. Sie hatte ihn sehr gern. Um 1946 begann eine erneute Konzerttätigkeit der beiden Schwestern. Dabei ersetzte der Lehrer Victor Schandara den gefallenen Bruder. Mit ihm erschienen rund 30 weitere Aufnahmen bei HMV, davon etwa 10 Titel, welche bereits mit der originalen Gruppe aufgenommen wurden. Doch die Zeit des innigen Musizierens und der unbeschwerten Fröhlichkeit war vorbei. Der neue Klangkörper reichte nie an das einstige Trio mit Martin Buchberger heran. Nachdem Victor Schandara 1953 wieder in seinen Beruf zurückging, ersetzte ihn der Landesbeamte und Verwandte Josef "Pepi" Glasner-Buchberger. Am 22. Februar 1961 gaben die Geschwister Buchberger in Wien zwei ausverkaufte Abschiedsvorstellungen, die auch im Fernsehen übertragen wurden. 
2013 / 2014 gelang es eine umfassende Diskografie der Geschwister Buchberger zu erstellen. Dazu wurden alle langjährig gesammelten Schallplatten der Geschwister Buchberger aus den Sammlungen von Edmund Palfinger (Völs / Österreich) und Felix Körner (Mannheim / Deutschland) katalogisiert und nach Matriznummern geordnet. Es ergibt sich eine nahezu lückenlose Auflistung (siehe Diskografie - Seite oben links!)
* Berthold Leimbach hat die Geschwister in sein 1400 Seiten umfassendes Nachschlagwerk "Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten" aufgenommen - übrigens als einzige alpenländische Gruppierung - was er schrieb könnt ihr hier lesen:
Das nachfogende Bildmaterial stammt von Künstlerkarten, LP - oder Single-hüllen, und Einzelbildern aus der Fernsehaufzeichnung "Abschiedskonzert der Geschwister Buchberger" vom 22. Feber 1961 aus der Wiener Löwingerbühne! Die Scan's "Electrola-Werbung" hat mir Hr. Körner freundlicherw. zur Verfügung gestellt - und durch Zufall kam ich auch noch an Zeitungsartikel. Ich habe mich dann noch aufgemacht, die Innstraße 55 - also die Wohnung der Buchbergers - (bis zum Schluß Wohnung der Kathi Buchberger) zu fotografieren. Etwa 100 Meter schräg-gegnüber - Innstraße 10 - lebte Anni Kopp Buchberger bis zu ihrem Tod, auch davon gibt's ein Foto. Ebenso habe ich das Grab der Buchbergers am Mariahilfer Friedhof besucht und fotografiert. 

 

Das Geburtshaus der Geschwister in Wörgl
 
 

 

(Vater Buchberger)
Kathi 1904 - 1998

Anni 1911 - 1980

Martin 1907 - 1945

- mit Viktor Schandara
- mit Josef "Pepi" Glasner-Buchberger
Kathi und Anni ~ 1960
Das Abschlusskonzert am 22. 02. 1961
Links - das Haus Innstrasse 55 in Innsbruck (die Elternwohnung der Buchberger's und Kathi's Wohnung bis zu ihrem Tod 1998), oben - das Haus Innstrasse 10 - (schräg gegenüber) - Anni's Wohnhaus!
Pepi Glasner

 

 

 

 

Das Familiengrab der Buchberger's am Mariahilfer Friedhof in Innsbruck. Martin's Frau Therese ist wohl fast 100 Jahre alt geworden.
Electrola-Werbung von 1936

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