DIE FIDELEN INNTALER - die (fünf) lustigen Inntaler

1930 setzten Sepp Ott und Gottlieb Weißbacher  den Grundstein für eine Musikbanda, die – in verschiedener Besetzung und mit unterschiedlichen Namen 72 Jahre – bis 2002 – bestehen sollte.  

Die „fidelen  Inntaler“ waren wohl die erfolgreichste Kapelle der alpenländischen „Tanzl-Musik“ (ich fasse hier die verschiedenen Formationen unter der Leitung von Gottlieb Weissbacher zusammen). Bereits 1931 wurden 10 Schellackplatten mit der Carl Lindström AG aufgenommen (Homocord, Parlophon, Odeon und Gloria!). Die Truppe nannte sich die „fünf lustigen Inntaler“ und bestand – bezeichnenderweise - aus fünf Musikern.

Gottlieb Weissbacher (Flügelhorn)
Sepp Ott (Harmonika)
Sepp Richter (Klarinette)
Wastl Gschwendtner (Ventilposaune)
Sepp Hölbling (Harfe)

 

 

 

 

1932 erweiterte Weißbacher die Truppe um den Basstubaspieler Sepp Baldemaier und den Schlagzeuger Karl Löhnert (Hansi Egger sprang zeitweise für Hölbling ein). Irgendwann um 1932 nannten sie sich deshalb auch „D‘ lustigen Inntaler“.

Sepp Tanzer sprang in den 30iger Jahren immer wieder für Sepp Richter (Klarinette) ein, er brachte erstmals auch das Saxophon in die Gruppe. Ab 1938 fügte Weissbacher einen zweiten Flügelhornisten mit dem Namen Toni Pfeifhofer ein - somit war die „legendäre“ 8-Mann Formation der Inntaler beisammen. Nach wie vor, wurden die Platten der "fünf lustigen Inntaler" im Radio gespielt - darunter (interessanterweise) auch eine Komposition Weissbacher's von 1930 mit dem Titel "die fidelen Inntaler" ! (unten links 1933, rechts 1937 - "Radio Wien")

 

 

Ab 1941 war „Pause“ angesagt –  nachdem die Mitglieder der „Inntaler“ aber aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren,  formierte sich die Truppe – zunächst in der alten Besetzung und unter altem Namen („die lustigen Inntaler“) neu (der zweite Flügelhornist blieb ein fixes Mitglied!). Hans Jöchl vertrat des Öfteren  Wastl Gschwendtner (Posaune) – unmittelbar nach Kriegsende, taucht noch der Name Hans Koch als Ersatzschlagzeuger auf - und Lorenz Gratzl spielte die Baßtuba.

 

Noch 1945 trennten sich Sepp Ott (Harmonikaspieler und urspr. Gründer der Truppe)  und zwei weitere (Ur-) Mitglieder (Gschwendtner und Hölbling) von Weissbacher und gründeten ihrerseits eine Banda mit dem Namen  „die lustigen Inntaler“! Ob dieser Namensgleichheit kam es zum Streit zwischen Ott und Weissbacher – der gab nach und nannte seine Formation fortan „die fidelen Inntaler“!

Damit begann eine steile Karriere – 1950 wurde ein Plattenvertrag mit der „Decca“ geschlossen, der bis 1955 hielt und bei dem 91 Stücke aufgenommen wurden. Um 1950 gibt es auch noch Aufnahmen auf "Elite Spezial" (die österr. Tochter der schweizer "Elite Record" - dabei verwendet G. Weissbacher das Pseud. "Sepp Wurzer"!?) Was aus „den lustigen Inntalern“ – unter Sepp Ott geworden ist, weiß ich nicht!? Die beiden haben sich aber offensichtlich wieder versöhnt, denn vom 01. Aug. 1952  gibt es Philips-Schellackplatten der „fünf lustigen Inntaler“ unter Leitung von Sepp Ott - dabei soll auch Gottlieb Weißbacher (Flügelhorn) mitgewirkt haben – ebenso wie der bekannte Harfenspieler "Thomas Steiner" aus Kufstein! Besetzung und Stil ähneln den ersten Plattenaufnahmen von 1931! (- unten könnt ihr vergleichen!)
Noch im selben Jahr nahm Weissbacher auch bei der Schweizer „Elite Record“ als „D‘ lustigen Inntaler“ auf  - u. a. auch seinen bekannten „Brennersee Walzer“ (- auch da kann ich einen Vergleich anbieten!).

Damit kann ich die „78er-Platten-Aera“ der Inntaler  eigentlich beschließen - zu erwähnen ist noch "Johann Waldner" mit seiner Kapelle aus Thaur b. Innsbruck, ein guter Freund Weißbachers, von dem ich einen eigenen Eintrag angelegt habe (von Gottlieb Weissbacher natürlich auch!). In der Vinyl-Aera ging's weiter - 45er Singles, 33er Langspielplatten - auch Musikkasetten und letztendlich noch CD’s (siehe ganz unten)!   Franz Posch (Tiroler Volksmusik-Ikone – „Mei liabste Weis“) hat seine Doktorarbeit über die „fidelen Inntaler“ (und/oder Gottlieb Weissbacher?) geschrieben – ich denke, daß ein großer Teil der Informationen die ich bekommen konnte – irgendwie daraus stammen. Vielen Dank an ihn – und an Hans Hornsteiner aus Mittenwald, der mir diese zugänglich machte!

Hier der Rest (den ich noch "abgeschrieben" habe!)

- die letzte "78er-Inntaler-Formation"

Toni Pfeifhofer (1. Flügelhorn)
Gottlieb Weissbacher (2. Flügelhorn)
Franz Fuchs (Klarinette, Saxophon) Nachf. von Sepp Schimon  ab 1951
Hans Jöchl (Ventilposaune)
Lorenz Gratzl (Basstuba)
Toni Waldner (Akkordeon) bis 1952 – ihm folgte Robert Hupfauf, der auch Es-Klarinette spielte
Sepp Höpperger (Harfe) – von der Thaurer Sängerfamilie!?
Karl Löhnert (Schlagzeug) – ab 1957 Robert Schlögl

 

1966 starb der 1. Flügelhornist Toni Pfeifhofer, für ihn kam Friedl Lanthaler, der 1983 von Eugen Löffler abgelöst wurde. 1968 wurde Franz Haselwanter als Klarinettist und Saxophonist aufgenommen, nachdem Franz Fuchs aus gesundheitl. Gründen aufhörte. Der Posaunist Hans Jöchl spielte bis 1972. Wenn er verhindert war, wurde er von Dr. Gert Strele – manchmal auch von Prof. Michael Stern vertreten. Nachfolger Hans Jöchels wurde zunächst Bruno Issig, anschließend Thomas Sponring – ab Herbst 1973 Karl Baumann. Der Bassist Lorenz Gratzl spielte bis März 1974 – sein Nachfolger wurde Friedl Baumann, Cousin des Posaunisten Karl Baumann. Der Harfinist Sepp Höpperger wurde ab Jänner 1980 von Ludwig Troppmair abgelöst. Das Schlagzeug bediente seit Sommer 1987 Rudolf Felderer. Im September 1988 starb Gottlieb Weissbacher. Sein Nachfolger als 2. Flügelhornist wurde Franz Ungerank – für Franz Haselwanter, der im Frühjahr 1991 aufhörte, kam Bernhard Schnitzer. 2002 – nach 72-jährigem Bestand, lösten sich „die fidelen Inntaler“ endgültig auf!

Entnommen (haupts.!) dem CD Booklet „Die fidelen Inntaler – Ihre Aufnahmen aus den Jahren 1952 – 1962“ Autor - Franz Posch!